… Nackt und noch mit errötetem Gesicht stand Luci vor dem großen Spiegel im Badezimmer. 

Es war dank der großen, grauen Marmorfliesen und einer gut durchdachten Beleuchtung hell, auch wenn es kein Fenster hatte. Es ließ jedoch keine Wünsche offen. Der Duft des großzügigen Blumenbouquets stieg in ihre Nase. Tulpen, Kamille und Ranunkeln. 

Trotz des sommerlichen Geruchs fror Luci. Sie ließ heißes Wasser in die großzügige Badewanne, die mitten im Raum auf Löwenfüßen ähnlichen Sockeln stand. Sie goss nach Vanille duftenden Badezusatz ins Wasser und nahm zwei Badehandtücher aus dem Regal, weiche und gut duftende Handtücher, ebenso kuschelig wie der Bademantel.

Augenblicklich füllte sich der Raum mit dem heißen Dampf der Wanne. Luci wischte mit der Hand über den beschlagenen Spiegel und betrachtete sich darin. Abgesehen von der frischen Röte auf ihren Wangen waren an ihrem Oberkörper und den Armen zahlreiche rote Stellen zu entdecken, vermutlich von den kleinen Bartstoppeln, die Liams Gesicht zeigte. Sie trug kein Make-up, war sie vor Liams unvermittelter Ankunft gerade erst aus der Dusche gekommen. 

Abgesehen von kleinen grauen Schatten unter ihren Augen und ein paar Fältchen daneben fand sie sich schön. Auch ungeschminkt. Ben hatte ihr oft geschmeichelt, indem er bekräftigt hatte, sie sei ungeschminkt hübscher als mit Lidschatten und Lippenstift. 

Ein kurzer, aber heftiger Anflug von Traurigkeit überkam sie. Ben fehlte ihr. Die Beständigkeit, die Gewissheit, die Vertrautheit. Alles, was ihre langjährige Beziehung ausgemacht hatte. Das gab es alles nicht mehr.

Andererseits freute Luci sich über ihren endlosen Mut, sich auf Liam eingelassen zu haben. Ein wichtiger Schritt, sich der Realität zu stellen, nach vorn zu schauen und das Leben trotz aller Schicksalsschläge zu genießen. Schließlich wusste niemand besser als sie, wie schnell alles vorbei sein konnte, sagte ihr immer wieder ihre beste Freundin Lene. Beim Gedanken an Lene musste Luci lächeln. Du wärst stolz mich! Ich genieße es!, schlug sie sich imaginär auf die Schulter. 

Ein Schatten hinter der einen Spalt offenen Tür riss sie aus den ambivalenten Gedanken. Dafür kroch ein neuer Gedanke durch die Tür und erreichte sie umgehend, ein Gedanke an Leidenschaft, an Abenteuer und Spannung. 

„Komm rein!“, flüsterte Luci.

Es war nicht viel mehr als ein Hauchen. Ein zaghaftes, unsicheres Wispern. Die Tür öffnete sich und Liam schaute ins Bad. Ebenso vorsichtig wie Lucis Aufforderung, trat er ein und blieb im Türrahmen stehen. Den Blick auf ihn gerichtet, stieg sie in die Wanne. Das Wasser war heiß, umspülte ihre Unterschenkel. Der aufsteigende Schaum kitzelte ihre sensible Haut. Sie setzte sich, zog die Beine dicht an sich heran. 

Mit einer knappen Kopfbewegung bedeutete sie ihm, zu ihr zu kommen. Mit einem Lächeln auf den Lippen stieg er vorsichtig hinter ihr in die Wanne und zog sie nah zu sich, die Beine ihren Unterkörper an beiden Seiten umrandend. Mit einem Seufzer lehnte sie sich an seine Brust und schloss die Augen. 

„Würdest du heute nacht hier bleiben?“

Die Frage kam spontaner als sie gedacht hätte. Luci war überrascht über sich selbst. Schon wieder. Über ihren Mut. Seit Ben hatte kein Mann mehr neben ihr geschlafen. Bis jetzt war ihr nie der Gedanke gekommen, daran etwas zu ändern. 

Heute wollte sie jedoch nicht allein sein.

Als hätte er die Gedanken erraten, antwortete Liam: „Bist du sicher?“

Die Antwort kam ebenso spontan wie ehrlich: „Nein.“ Nach einer kurzen Pause setzte sie hinzu: „Dennoch. Ich bitte dich dennoch.“

Luci spürte seine zarten Küsse an ihrem Ohr, seinen Atem. Liams Arme umschlossen ihren Oberkörper, seine großen Hände umfassten ihre Brüste, deren Knospen ein wenig aus dem weißen Schaum heraus ragten. Seine Berührungen glitten mühelos über ihre nasse und von der Seife schlüpfrige Haut und steigerten ihre Erregung umso mehr …

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