Linksverkehr und Falschfahrer

In Irland fahren die Autos auf der linken Seite. Das wissen die meisten Kontinentaleuropäer. Aus dem alltäglichen Leben hier ein paar zusätzliche Tipps:

Behaupte niemals gegenüber einem Iren, er würde auf der „falschen“ Seite fahren. Er könnte dies als respektlos empfinden. Für ihn ist es schließlich die „richtige“ Seite und wir fahren falsch.

Es ist nur eine Frage der Gewöhnung. 

An den meisten Hafenstädten, in denen die Autofahrer in der Regel per Fähre vom Kontinent kommen, gibt es zahlreiche Hinweisschilder, die überdimensional groß darauf hinweisen, dass in Irland links gefahren wird. 

Dennoch ist es ratsam, beim Einstieg in das Auto nach einer atemberaubenden Besichtigung der traumhaften Insel oder einer einmaligen Sehenswürdigkeit, sich dieser Besonderheit noch einmal bewusst zu werden. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass das Erlebnis, einmal am Strand an der Steilküste in Westirland entlang gewandert zu sein oder das Beben der Wellen unter den Füßen auf den hohen Felsen der Cliffs of Moher gespürt zu haben, ganz leicht dazu führen kann, dass der Wind dein Hirn so frei gepustet hat und du dich dabei erwischst, dass du den Parkplatz auf der rechten Fahrbahnseite verlässt. Das kann insbesondere dann schnell passieren, wenn du an einem touristisch nicht so überlaufenem Ort oder im Februar unterwegs bist und keine anderen Autofahrer zum Vergleich um dich herum sind. 

Linksverkehr bedeutet demnach auch, in den Kreisverkehr nach links zu fahren und diesen im Uhrzeigersinn zu passieren und beim rechts Abbiegen dem entgegenkommenden Verkehr Vorfahrt zu gewähren. 

Entgegen weitläufiger Auffassung Unwissender und zugegebenermaßen kurioserweise gilt dennoch die Regel Rechts-Vor-Links an Kreuzungen, die keine anderweitige Reglung aufweisen. 

Da in Irland neben Englisch auch noch Gälisch, also Irisch, als Amtssprache gilt, sind die meisten Verkehrsschilder zweisprachig. Ganz im Westen und Norden der Republik kann es unter Umständen passieren, dass viele Schilder nur in Gälisch gefasst sind. Das erschwert einiges, da die Sprache nicht im Geringsten irgendeiner bekannten Sprache ähnelt. So bedeutet das „Yield“-Zeichen, dass man Vorfahrt gewähren muss, was in Gälisch dann so aussieht: „Géill Slí.“ 

Die weitläufige Meinung, dass der Ire an sich sehr gern trinkt, nun ja, sie stimmt. Die geselligen Abenden in den Pubs verleiten regelmäßig dazu, mitzuhalten. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Promillegrenze bei 0,5 liegt. Ich weise nur beiläufig darauf hin, dass das Fahren selbst nach einem Bier oder Guiness absolut unverantwortlich ist.

Zumindest in Dublin ist das aber überhaupt nicht schlimm, da ich jedem nur empfehlen kann, in dieser grundsätzlich das Auto stehen zu lassen. Wer seinen Aufenthalt nur in Dublin plant, kommt am besten gleich ohne Auto. Die Stadt ist vollgestopft mit stinkenden, lauten und unnachsichtigen Vehikeln, so dass man besser auf die Öffentlichen ausweicht. In dem Bereich gibt es zwar auch noch jede Menge Verbesserungsmöglichkeiten, aber ich würde in der Stadt den Bus jedem Auto vorziehen. Und im Fall der Fälle gibt es „gocar.ie“, bei denen ich mir stundenweise ein Auto für einen kleinen Taler leihen kann. 

Die Parksituation ist folglich ebenso eine Katastrophe. Selbst Parkhäuser sind gnadenlos überfüllt. Falschparken kann fatale Folgen haben. Es gibt wohl auch Knöllchen, habe ich aber noch nicht erlebt. Meist bekommen die falsch geparkten Auto eine Parkkralle, „clamper“, die ein Wegfahren erheblich erschwert, im schlimmsten Falle wird das Gefährt jedoch gleich abgeschleppt. Das kann teuer werden. Übrigens sollte man nicht nur auf die „Parken-verboten“-Schilder achten, sondern auch auf die gelben Streifen am Straßenrand, an denen ebenfalls ein Parken strikt verboten ist und eben beschriebenen Sanktionen führen kann. 

Seit einigen Jahren gilt auch in Irland das metrische System. Alle Entfernungsangaben auf den Straßenschildern sind jetzt in Kilometern angegeben, und nicht mehr in Meilen. Das gilt demzufolge auch für die Geschwindigkeiten, so dass ein „50“-Schild, jetzt also 50 km/h bedeutet, und nicht mehr 50 mph, was immerhin fast 80 km/h waren. 

Je weiter du dich von Dublin entfernst, desto schöner wird das Land, desto abenteuerlich wird aber auch die Autofahrt. Die Straßen sind schon kurz hinter dem letzten Haus fernab jeder zivilisierten Vorstellung schmal, kurvig und können an der Küste auch schon mal einfach enden. Besonders in den weniger touristischen Gebieten solltest du erheblich mehr Zeit für eine Strecke einplanen, als du es in Deutschland tun würdest. 

Zum Schluss noch ein paar knallharte Facts: die Polizei heisst Garda, der Krankenwagen Ambulance und die Feuerwehr Fire Brigade. Einen Notruf setzt du über die 112 oder 999 ab. 

Unabhängig davon ist Dublin im Speziellen immer eine Reise wert und die Erkundung der einmalig schönen und außergewöhnlichen Insel im Allgemeinen eine unvergessliche Erfahrung.

Viel Spass und gute Reise!

©Ariana Lambert Januar 2019

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