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Mein Traum vom Schreiben

Seit einiger Zeit betätige ich mich nun als Autorin. Auch wenn es anfangs nicht viel mehr als ein Hobby war, entwickelt es sich langsam zu einer Vollbeschäftigung. Ganz ehrlich: ich liebe es. So gehöre ich nun nicht zu den Schriftstellern, die von sich behaupten, schon als Kind Geschichten liebend gern erzählt und aufgeschrieben zu haben. Ich habe als Kind nicht mal gern gelesen. Heute ist dies ein großer Teil meines Lebens. 

Was hat dies nun mit meiner Auswanderung nach Irland zu tun? Eine ganze Menge, wie ich jetzt feststellen musste. Es ist mir nach mehr als zwanzig Jahren wieder eingefallen: Mit siebzehn unternahm ich in den Sommerferien vor meinem Abitur mit einem Kumpel eine Rucksacktour durch Irland. Genauer gesagt, umrundeten wir die Halbinsel Dingle an der Westküste der Insel mit einem Rucksack, sehr wenig Geld, dafür aber mit jeder Menge Abenteuerlust. Wir hatten ein Zelt dabei und Schlafsäcke und bauten jeden Abend unseren Schlafplatz an den wunderschönsten Stellen auf: einmal übernachteten wir direkt an der Steilküste, weit und breit kein Zeichen von Zivilisation, aber mit einem atemberaubenden Ausblick auf den Sonnenuntergang; ein anderes Mal fanden wir ein wundervolles Fleckchen direkt neben einem Wasserfall, der uns plätschernd in den Schlaf begleitete; eine weitere schreckliche Nacht verbrachten wir an einem Steilhang, und ich rutschte die ganze Nacht über ständig in Richtung Zelteingang. 

Ich habe leider kaum noch Fotos von dem Ausflug, da mir ein Film -es gab ja noch keine digitalen Geräte- nach drei Tagen Dauerregen im Rucksack nass wurde und nicht mehr entwickelt werden konnte. 

Dafür ist aber eine Erinnerung noch ganz klar: Wir trafen eines Nachmittages zwei ältere Frauen, die am Strand mit ihren Hunden spazieren waren. Sie sprachen uns an und luden uns in ihr Haus auf ein Glas Wein ein. Beide waren Künstlerinnen aus Boston, mit irischen Wurzeln. Die eine malte und die andere schrieb Romane. Jeden Sommer verbrachten die beiden Freundinnen in ihrem Cottage, das auf einem Felsen an der Steilküste in der Nähe des Strandes stand und schon bestimmt hundert Jahre alt war. Es gab keinen Strom und die Fenster und Türen hatten zentimeterbreite Lücken, durch die ständig der Wind zog. In der Mitte der großzügigen Küche, die von einem steinernen, gemütlich knisternden Kamin geheizt wurde, stand ein riesiger, rustikaler Eichentisch. Mit einer Flasche Rotwein, jeder Menge Kerzen, einem Strauß Wildblumen und einer kleinen Tüte Gras (ich meine nicht das grüne von der Wiese…) in seiner Mitte, übte er auf jeden Besucher eine enorme Anziehungskraft aus. Wir verbrachten einen sehr geselligen und feucht-fröhlichen Nachmittag. Die Unbeschwertheit und Einmaligkeit dieses Zusammenseins wurde schließlich noch übertroffen von meinem Toilettengang. 

Ja,  genau. Eine schmale Wendeltreppe, deren Wände von schweren und muffigen Teppichen  geziert wurden, führte in ein großes Bad, deren Außenwand ein riesiges Sprossenfenster schmückte und einen einmaligen Blick auf den Atlantik bot. Es schien, man könnte bis nach Amerika schauen. Das Meer lag recht still, nur einige kleine Schaumkronen waren zu erkennen und die Sonne ging bald unter. Vor dem Fenster stand eine altmodisch geschwungene Badewanne mit Löwenfüßen und nostalgischen Armaturen. Davor stand das Klo. Ich hätte stundenlang darauf sitzen und auf den Atlantik schauen können. 

Und so schließt sich nun der Kreis. Ich habe mir damals vorgestellt, in einem solchen Haus, mit diesem Ausblick den Sommer damit zu verbringen, Bücher zu schreiben oder Bilder zu malen. Heute, dreiundzwanzig Jahre später, bin ich diesem Traum schon etwas näher: ich schreibe Bücher und ich lebe in Irland, letzteres zwar noch auf der „falschen“ Seite der Insel, aber schon ein ganzes Stück näher. Den Traum habe ich bis heute, den Sommer an der Westküste mit Schreiben, Rotwein und diesem atemberaubenden Blick auf den Atlantik verbringen. Nur Haschisch rauchen werde ich auf keinen Fall mehr!

©ArianaLambert – Dublin November 2018

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