Mord ist Töten mit Vorsatz

Ein der am weitesten verbreiteter Irrtum ist die Unterscheidung von Mord und Totschlag. So heisst es oft, Mord ist Töten mit Vorsatz, also mit Absicht, wobei der Totschlag aus Versehen oder fahrlässig begangen wird. 

Das ist falsch. 

Ein Mord ist es nur dann, wenn die Tötung aus bestimmten Gründen oder auf eine bestimmte Art und Weise begangen wurde. Diese so genannten Mordmerkmale sind gesetzlich in § 211 des Strafgesetzbuches aufgelistet und lauten:

  • aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonstigen niedrigen Beweggründen oder
  • heimtückisch oder grausam oder mit gemein gefährlichen Mitteln oder
  • um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.

Nur, wenn mindestens eines dieser Merkmale erfüllt wurde, handelt es sich um Mord. Alle anderen Fälle sind Totschlag. Jetzt fügen sich hier die Fragen an, was ist heimtückisch oder was grausam, oder welche Beweggründe sind niedrig? Da hat sich die Rechtsprechung in zahllosen Urteilen im Laufe der letzten Jahrzehnte ausgelassen und nicht immer sind deren Entscheidungen und Argumentationen nachvollziehbar oder logisch, geben dem Strafrechtlicher eine Vielzahl von Verteidigungsmöglichkeiten und jede Menge Raum für wissenschaftliches Arbeiten.

So handelt nach der Rechtsprechung derjenige Täter heimtückisch, der die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers willentlich ausnutzt und in feindlicher Willensrichtung handelt. Dabei stellt sich dann weiter die Frage, wann ist das Opfers arglos und wehrlos? 

So hatte sich der Bundesgerichtshof mit dem Einwand des Strafverteidigers auseinandersetzen müssen, beim Opfer habe keine Arglosigkeit vorgelegen, weil dem tödlichen Angriff des Täters ein heftiger Streit zwischen den beiden vorausgegangen war. Das Opfer habe nach einer derart lauten und ausufernden Auseinandersetzung mit einem Angriff rechnen können und müssen, so dass es keinesfalls arglos war, als es sich umdrehte und gehen wollte und der Täter ihm schließlich mit einem schweren Gegenstand von hinten auf den Kopf schlug.  

Der Umgang mit dem Merkmal der niedrigen Beweggründe ist noch spannender: die heutige Fassung des Mordparagraphen stammt noch aus der Zeit der Strafrechtsideologie des dritten Reiches und das fällt bei diesem Merkmal besonders auf, geht es gerade hier um die Auslöschung unpassender und ungeeigneter Charakterzüge, die im deutschen Volk unerwünscht waren. So unklar dieser Rechtsbegriff bis heute ist, so viele Möglichkeiten der Interpretation gibt es. 

Ein Mann zum Beispiel, der seine ihn betrügende Ehefrau aus Wut und Verzweiflung tötet: nur bei der Wut bejaht die Rechtsprechung das Vorliegen der niedrigen Beweggründe, weil dies ein nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehender Beweggrund war, der deshalb besonders verwerflich und verächtlich ist. Nicht dagegen die Verzweiflung, diese ist ein normalpsychologischer Antrieb und kein niedriger Beweggrund. Mord scheidet aus. 

Zahlreiche Veröffentlichungen und Urteile verschiedenster Gerichte beschäftigen sich mit dem weiten Feld der Mordmerkmale.

Übrigens wird der Mord mit lebenslanger Haft bestraft. Das ist die schwerste Strafe im deutschen Recht. Lebenslang heisst auch lebenslang und nicht weniger. 

Es besteht lediglich die Möglichkeit, nach frühestens fünfzehn Jahren den Rest zur Bewährung auszusetzen. Sollte jedoch bei dieser Prüfung keine so genannte günstige Sozialprognose festgestellt werden, kann ein lebenslang auch tatsächlich lebenslang bedeuten. 

So sitzt zum Beispiel der Strafgefangene Hans-Georg Neumann wegen Mordes heute noch nach über fünfzig Jahren im Gefängnis, weil seine Bewährungsanträge immer wieder wegen einer ungünstigen Sozialprognose abgelehnt werden. 

©Ariana Lambert January 2019

Menü schließen